1. Perfekt im UnPerfekthaus
So gut mein erstes Barcamp auch war – das Barcamp Ruhr 4 am Wochenende war eine vollkommen andere Erfahrung. Es war kleiner und mutete allein schon wegen der fantastischen Location, dem UnPerfekthaus in Essen, kreativer und barcampiger an als die große Schwester in Hamburg vor wenigen Monaten; was nicht heißt, dass es nicht ebenso professionell organisiert gewesen wäre. Stefan Evertz und sein Team haben eine rundum gelungene Veranstaltung auf die Beine gestellt, deren größtes Manko die abschließende Runde war, in der bis zum Umfallen diskutiert wurde, was denn nun das Manko des Barcamps gewesen sei. Zum UnPerfekthaus werde ich an anderer Stelle noch mal etwas schreiben, dieser Hort an Kreativität verdient mehr als eine Randnotiz.

2. Nerd in training
Selbst mein Gastgeber, Barcampbegleiter, Webdesigner und guter Freund Mirko, einer der größten Nerds, die ich kenne, resümierte sinngemäß: Boah, war das nerdig! (Sein sehr kurzweiliges Fazit: hier.) Kein Wunder, dass ich schon bei der Warm-up-Party am Freitagabend den Montagmorgen herbeisehnte, wenn ich endlich wieder über normale Dinge würde sprechen können. Tatsächlich war zumindest der Samstag gefüllt mit Sessions, die mir persönlich viel zu technisch und zu spezifisch waren, als dass ich viel hätte mitnehmen können. Das „Nerd in training“ wird wohl auf Lebenszeit so in der Bio meines Twitter-Accounts stehen.

3. Talk to me, dammit!
Man kann es auch von der anderen Seite sehen: Ich bin gerade nerdig genug, um bei einer Veranstaltung wie dem Barcamp geduldet zu werden. Dennoch hatte ich am Wochenende gelegentlich das Gefühl, nichts Halbes und nichts Ganzes zu sein. Von Andreas Pilz‘ Einführung in Screencasts etwa versprach ich mir Tool-Tipps oder zumindest die Motivation, mich auch mal an einem Erklärbärvideo zu versuchen – gegangen bin ich, nachdem die anderen Anwesenden in dieser vermeintlichen Anfängersession ihr breites Fachwissen bewiesen hatten und plötzlich die Rede davon war, professionelle Sprecher zu bezahlen, um die in zäher aufwendiger Arbeit erstellten Screencasts zu vertonen. Auch aus der Monitoring-Sessions ging ich leider ohne die erhofften Erkenntnisse. Wie ich zum Beispiel besser als mit den unsäglichen Google Alerts die Verbreitung meiner Themen oder auch der Digital Media Women Hamburg kontrollieren kann, erfuhr ich hier nicht. Viel mehr scheint es, als sei das kaum ordentlich möglich, weil die Funktionalität der einzigen kostenfreien Tools laut @peate fragwürdig ist.

Halten wir fest: Social-Media-Monitoring ist komplex, arschteuer und kann nix bringen. #bcruhr4less than a minute ago via Twitter for iPhone

Selbst bei „Die sieben Todsünden der Selbstständigkeit“ von @atalmon – eigentlich doch genau mein Thema, dachte ich – fühlte ich mich wie ein bunter Hund. Je mehr die anderen von ihren Problemen mit Kunden sprachen, desto weniger hatte ich das Gefühl, eine echte Selbstständige zu sein. Kurzum: Ich war sehr oft nicht mal annähernd das Zielpublikum auf diesem Barcamp.

4. Rapunzel, Rapunzel!
Wie gut also, dass es @JohnnyThan und @zauberfrau gibt, die dem Alles-ist-möglich-Prinzip von Barcamps alle Ehre machten mit ihrem an beiden Tagen angebotenen Improvisationstheater. Keine Codes, keine iPones, kein Getwitter. Stattdessen eine – ähm – moderne Version vom gestiefelten Kater, der dem bärigen Müllerssohn hilft, „’ne geile Ische“ zu erobern. Was ein Spaß – und gerade im Essener UnPerfekthaus, wo zwischen Kicker und bunten Gemälde ständig spontan musiziert wird, sehr passend.

5. Tanz, Nerd, tanz!
Ebenso spontan und – ja – mein persönliches Highlight war meine eigene Session. Inspiriert vom Improtheater und mit allzu positiven Erinnerungen an den Auftritt von Peter „Dr. Dance“ Lovatt auf der letztjährigen Next-Konferenz nahm ich mir vor: Bring den Nerd zum Tanzen! Mit @mileonnet, @soophie und fantastischer Neunziger-Jahre-Euro-Trash-Playlist von @ScottyTM haben wir den Boden zum Beben gebracht.

Und alle so: TANZEN!??! #bcruhr4less than a minute ago via Echofon

Einen Linedance auf Scooter – interessanterweise mit mehr männlichen als weiblichen Nerds – hat selbst diese ausgeflippte Location garantiert noch nicht gesehen. Und wir haben nicht nur allen Zweiflern gezeigt, dass Nerds sehr wohl tanzen können, sondern quasi schon Anfragen fürs nächste Barcamp bekommen :-D

Bring den Nerd zum Tanzen! (Foto: Daniel Maslowski, http://orangecms.org)

Bring den Nerd zum Tanzen! (Foto: Daniel Maslowski, http://orangecms.org)

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Was ein Wochenende, kann ich abschließend nur sagen. Ich freue mich jetzt schon aufs nächste Barcamp! Aber erst einmal: Nur noch 16 Mal schlafen (täglichen Countdown gibt’s bei @markotosic“), dann sehen wir uns in Berlin!


I ♥ Barcamps. Wie konnte ich bloß 25 Jahre meines Lebens ohne? #bcruhr4less than a minute ago via web