Für eine Wortjournalistin kam ich ganz schön ins Stocken, als Saja Seus mich bat, in ein oder zwei Sätzen zu definieren, was für mich Feminismus ist. Ich habe im letzten Jahr viel über das Thema nachgedacht, das mich ehrlich gesagt lange Zeit gar nicht bewusst beschäftigte. Sicherlich, ich war schon immer auf die ein oder andere Weise feministisch geprägt, das werden die Jungs, von denen ich mir schon zu Grundschulzeiten nichts gefallen ließ, bestätigen. Aber habe ich deswegen zu Leuten gesagt „Hey, ich bin Feministin!“, habe ich es in Onlineprofile eingetragen, am öffentlichen Diskurs über die Themen teilgenommen? Ich schäme mich ein wenig, das sagen zu müssen, aber: nein. Habe ich nicht. Nennen wir mich eine Spätzünderin. Aber immerhin wurde noch gezündet.

Und so war ich gleich interessiert, als ich bei der Mädchenmannschaft von der jungen Fotografin aus Süddeutschland las, die auf Deutschlandtour war, um für ihre Diplomarbeit Feministen und Feministinnen aller Coleur abzulichten. Ende November schneite die sympathische Saja Seus also in meinem Home Office vorbei, um Fotos zu machen und mir – wie gesagt mit zunächst mäßigem Erfolg, aber ich vertraue darauf, dass sie die richtigen Worte rausgepickt hat – meine Weisheiten über Frauen in der heutigen Gesellschaft zu entlocken.

Das Treffen war umso interessanter, da ich nicht nur plötzlich meine Gedanken zum Feminismus in Worte fassen sollte, sondern auch noch gegenüber einer Frau, die sich zuvor schon mit so vielen klugen Köpfen getroffen hatte. Ich wusste von der ein oder anderen Teilnehmerin (und Teilnehmer); der Aufruf durch die Mädchenmannschaft, das ahnte ich, zog einige in dem Bereich schon sehr versierte Damen und Herren an. Ich bin sehr gespannt, die Erfahrungen anderer zu lesen und hoffentlich in absehbarer Zukunft etwas von dem, was Saja aus unseren Gesprächen gemacht hat.

Ein kleines Highlight dieser angenehmen Begegnung war übrigens, dass Saja nicht etwa mit großem Gepäck kam und Dutzende Digitalfotos machte, um nach langem Sortieren schließlich das „perfekte“ auszuwählen. Die Kamera ihrer Wahl war/ist eine Hasselblad, ein soweit ich das beurteilen kann sauteures analoges Wunderding, das ich bislang noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Herrlich! Saja schoss drei, vielleicht vier Bilder, kein Posing, keine Grimassen, einfach „Augen zu, Augen auf, Bäm! Überraschung! Und das war’s dann auch schon. Das Ergebnis ist so völlig anders als mein übliches Zähnefletschen, ich liebe es – die anderen aus der Porträtreihe sind übrigens allesamt ebenso einzigartig geworden. Ich kann nur sagen: Bravo, Saja, und danke für eine interessante Erfahrung!

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Weitere beteiligte FeministInnen (bitte ergänzen):