24 Abgesetzte Serie

Warum “FlashForward” nicht hätte enden sollen

28. Mai

Noch mal für alle: Diese Serie wurde abgesetzt. Finito.

Man darf von ABCs als Megaereignis angekündigter Event-Serie “FlashForward” guten Rechtes enttäuscht sein: Nach der temporeichen Pilotfolge ging es zwar nicht unbedingt bergab, die Handlung ließ aber konstante Spannungsbögen vermissen, Charaktertiefe, und viele monierten schlechte Darstellerleistungen, auch wenn ich das so überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Für mich viel eher ein Problem: Zwar war der Cast einer der ethnisch diversesten überhaupt im US-amerikanischen Fernsehen, der Rest der Welt wurde aber kaum einbezogen – und das, obwohl das Blackout doch so ein globales Ereignis war. Nur eine kleine FBI-Truppe schien sich um die Auflösung des Problems zu kümmern, das – was auch sonst – auch US-gemacht war. Überhaupt dauerte es viel zu lange, bis sich die Weltbevölkerung gegen das ihr aufgezwungene Schicksal stemmte. Man stelle sich vor, wir hätten ein derart lebensverändernde Koma-Erlebnis. Wenn wir etwas Schlechtes gesehen hätten, würden wir nicht alles daran setzen, unser Leben zu verändern?

In den letzten paar Folgen zog die Spannung kräftig an, aber die Besserung kam zu spät. Und so sitze ich nach dem Finale der ersten Staffel, das ja qua Senderentscheidung auch das Serienfinale ist, etwas verärgert hier, wenngleich bei Weitem nicht so ratlos wie vor wenigen Tagen nach “Lost”. Achtung, Spoiler zur Episode “Future Shock” (Serienfinale)!

“‘FlashForward’ ist kein ‘Lost’”, schrieben die Kritiker gerne nach den ersten paar Episoden der Serie. Damals habe ich gesagt: Ja, leider. Heute sage ich: zum Glück. Ohne wieder in das Für und Wider des “Lost”-Finales einsteigen zu wollen, muss das trotzdem gesagt werden. Denn was die größte Schwäche von “FlashForward” zu sein schien, ist schließlich ihr große Plus: kaum offene Enden. Wir erfahren am Staffel-/Serienende nicht, wer das Blackout ausgelöst hat oder warum, wir erfahren auch nicht, wie es für einige der Figuren endete, darunter Mark Benford. Hinzu kommt mit einem erneuten Blackout und weiteren Flashforward-Fetzen ein gelungener Cliffhanger. Aber anders als bei “Lost”, wo letztlich so viele Schichten von Fragen übereinander lagen, dass jeder Nicht-Hardcorefan längst den Überblick verloren hatte, blieb es bei “FlashForward” einigermaßen übersichtlich. Was nicht heißt, dass man darüber hinwegsehen kann, dass es nicht weitergeht. Aber am Ende passierte alles so, wie es geschehen sollte, und das tröstet zumindest ein bisschen.

Zachary Knighton und Yûko Takeuchi in "FlashForward"

So sehr er sich auch gewehrt hat: Bryce bekommt sein Happy End mit Keiko

Die Überraschung des Finales war eine, die man wohl hätte erahnen können: Was die Charaktere aus ihrer 137-Sekunden-Vision interpretiert haben, muss noch lange nicht der Wahrheit entsprechen. Das meiste sah gleich aus, geschah aber anders, als seit der ersten Folge aufgebaut: Mark war ausgenüchtert genug, um dem Mordanschlag zu entkommen; Lloyd hatte seine Erleuchtung auch ohne dass alles genauso war wie in den Flashforwards; Janis’ Tochter wird dann doch ein Sohn; und die schönste Wendung: Der Mann, der Nicole in ihrer Vision zu erwürgen schien, rettete sie in Wirklichkeit vor dem Ertrinken.

Am Ende der Episode “Future Shock” landete also jeder genau dort, wo er in seiner Vision von der Zukunft war (minus Demetri, der dem Tod von der Schippe gesprungen ist). Damit ist die Serie ihrer ursprünglichen Idee treu geblieben: dass die Visionen eben doch Schicksal sind und nicht vermieden werden können, auch wenn so mancher dagegen angekämpft hat. Mit dieser übernatürlich angehauchten Erklärung muss man was anfangen können. Ich persönlich kann trotz Ähnlichkeiten mit diesem Ende wesentlich besser leben als mit dem einer bestimmten anderen Serie…

Amerika rettet die Welt, mal wieder
Leider ist die Fantasie am Ende ein wenig mit den Autoren durchgegangen. Sie trieben ihre Amerika-Fixierung auf die Spitze und vergaßen dabei die erzählerische Logik und Authenzität: Marks Boss ruft das Weiße Haus an, und binnen weniger als fünf Minuten legt sich alle Welt friedlich hin, um nicht bei einem erneuten Blackout durch einen Unfall dahingerafft zu werden? Sicher.

Und zu guter letzt: die weitestgehend unspektakulären Eindrücke der neuen Flashforwards. Jemand heiratet, ein Baby wird getauft, ein Junge schaukelt, jemand lädt einen Revolver – und dann noch Charlie. “They found him”, sagt sie – merkwürdig gealtert in nur fünf Jahren übrigens. Gehen wir mal davon aus, dass sie Mark meint, der dann wohl eine ganze Zeit M.I.A. war.

Es war ein grausames Serienfinale, hätte aber ein sehr gutes Staffelfinale abgegeben. Und hätte es eine zweite Staffel gegeben, so hätte einiges anders laufen müssen: In einer Staffel arbeitet man nicht fünf Jahre ab, der zweite D-Day hätte also nicht wieder der Endpunkt sein können. Zum einen hätte das für die Handlung noch weniger Tempo bedeutet, gleichzeitig aber für die Autoren eine Herausforderung, für die man sicherlich eine Idee hatte. Es hat schon Fan-Forderungen gegeben, diese zumindest in Auszügen zu veröffentlichen, um die Zuschauer nicht so auf dem Trockenen zu lassen. Ich bitte darum!

Ach ja, Skippy war auch wieder mit dabei:

Skippy in "FlashForward"

24 Antworten zu
»Warum “FlashForward” nicht hätte enden sollen«

  1. Moritz sagt:

    Ich fand, dass die Serie wirklich stark nachgelassen hat. Furioser Auftakt, aber dann, wie von Dir ganz richtig beschrieben, eine etwas seltsame Fortführung.

    Zu Lost fehlte auch eine Figur wie Hurley, der der Serie ab und zu die (inhaltliche) Schwere nimmt. Bei Flash Forward waren alle immer so schrecklich ergriffen und bedrückt.

    Tja, heute muss ich sagen: Nicht schade, dass die Serie eingestellt wird.

  2. Die Folgen 2 bis ungefähr 15 waren wirklich zäh wie Kaugummi, aber seither hat es sehr angezogen, mehr Tempo bekommen, auch wenn den Charakteren bis zum Schluss die Tiefe fehlte. Ich denke aber, die Serie hätte noch richtig gut werden können, wenn man sie gelassen hätte. Und es wurde ja auch zwischenzeitlich überlegt: Weil sie im Ausland viel besser lief, hätten die Studiobosse fast auf die Absetzung verzichtet. Aber Satz mit X.

  3. Andi sagt:

    Ich wette, Mark ist aus dem FBI Hauptquartier herausgesprungen, im Wasser gelandet, hat überlebt und sich danach aus dem Staub gemacht, weil er in seinem zweiten Flashforward gesehen hat, dass sein Chef mit Blackout-Leuten zusammenarbeitet. Oder so.

  4. Maik sagt:

    Die ersten zwei, drei Folgen waren absolut super. Danach hatte ich immer das Gefühl, dass es dahin plätschert, aber die letzten zwei Minuten pro Folge haben es einigermaßen rausgehauen. Dann kam das richtige Loch und der Break. Da war die Serie im Grunde genommen schon tot, leider. Denn durch neue Autoren wurde wieder Fahrt aufgenommen und das Finale zeigt, dass man stark auf eine zweite Staffel ausgerichtet war. Da wären dann sicherlich auch die Flashes besser gewesen…

  5. @Andi: Interesting. Mehr solcher Theorien, bitte!

  6. Nicole sagt:

    Hallo für alle die diese Serie genauso lieben wie ich. Es gibt weltweit mehrere Zehntausende Fans die im Moment hart darum kämpfen das diese Serie weitergeht. Mit Briefen und Emails an ABC . Mit zehntausenden Freundschaftsarmbändern und einem 4 Fuss hohen Plüschkänguru das alles an ABC gesendet wurde. Ein Internetboykott, DVDs für Fernsehstationen und nicht zu guter letzt unseren weltweiten Blackout vom 10 Juni an dem mehrere Tausende Menschen rund um den Globus zeitgleich einen Blackout simuliert haben. Und ein zweiter wird kommen….Wir kämpfen für diese wunderbare Serie und wir brauchen die Medien und euch. Mittlerweile ist sogar schon ABC auf uns aufmerksam geworden und wir geben nicht auf. Wenn ihr mitmachen wollt geht auf Facebook….auf 1. SAVE FLASHFORWARD! und auf 2. Bring FlashForward Back! Wir können es schaffen!!!

  7. Michi sagt:

    Eines der größten Kapitalismus Fehler.
    Die Absetzung einer der besten Action Serien, Flash Forward.

    Ich meine, auf gut Deutsch, scheiß aus Cobra 11, die Sendung hat keine längeren Inhalte, jede Sendung komplett neuer Content, aber bei FF waren viele rote Linien zu erkennen, wenn auch für viele zu viele, aber eine Sendung mit langem roten Faden.

    SCHADE!.. ABC, schade.

  8. @Michi: Na, so grandios war “FlashForward” ja nun nicht…
    Ich finde trotzdem Aktionen wie die von @Nicole angemerkte immer wieder spannend. Bei “Jericho” (geniale erste Staffel) hat es auch funktioniert. Ich sage nur: Nuts!

  9. Roland sagt:

    Schon wieder eingestellt? Dabei hatte ich erst angefangen zu gucken. Offenbar passierte das selbe, wie mit Heroes. Nachdem die Serie wegen des Autorenstreiks ziemlich mies wurde, ging es wieder aufwärts. Und nun wird sie eingestellt…

  10. Pascal sagt:

    Gibt leider nur eine weitere Serie die mich genau so lange vorm tv gehalten hat wie FF, und das ist dexter!! :)

  11. Alex sagt:

    Ich kann nicht verstehen, dass die Serie nicht fortgesetzt wird – mit Abstand die beste Serie seiner Klasse in den letzten JAHREN… Unbegreiflich dass es wegen niedriger Quoten etc. keine Fortsetzung gibt :-(

  12. Mausi sagt:

    Hmm… nun habe ich gerade die letzte Folge gesehen und bin vom Ende regelrecht enttäuscht… Mir sind noch sooo viele Fragen offen geblieben.
    Und im Internet kann ich auch nichts finden, ob es nun eine weitere Staffel gibt?
    Kann mir da jemand bitte weiterhelfen?? :(

    Liebe Grüße

  13. Ach, Mausi, worüber reden wir denn hier die ganze Zeit? Dass die Serie nach der ersten Staffel abgesetzt wurde. Wenn du also die oben beschriebene Folge gesehen hast, dann war’s das. Keine Fortsetzung, die Darsteller haben auch zum Teil schon neue Engagements für Herbst.

  14. Thorsten sagt:

    Also ich habe auch die letzte folge gesehen, ja es stimmt es bleiben fragen offen, aber hey bleibt ruhig denn es ist eigendlich offendsichtlich das es weiter geht.

    Das ende wird der neue anfang sein.
    Aber ich habe sie auch sehr gerne gesehen und hoffe auf eine schnelle fortsetzung.

  15. Tom sagt:

    Ich habe wirklich alle Folgen gesehen, nachdem ich eher zufällig den Pilotfilm angeschaut habe. Mir hat die Idee, das Thema, so gut gefallen das ich eben fleißig weiter geschaut habe. Allerdings bin ich auch der Meinung das sich einige Folgen ganz schön gezogen haben. Die Szene z.B. mit den toten Vögeln war gut, da hab ich echt auf was sehr grosses gewartet. Entäuscht dagegen bin ich vom Buch. Ganz ehrlich, das zieht sich noch viel mehr als der Film, die Handlung ist ähnlich aber keineswegs so spannend wie im Film, irgendwie teilweise sogar extrem langweilig, zu sehr theoretisch. Also, mein Fazit: Finale Folgen waren gut bis sehr gut, das offene Ende nötig damit die Serie, auch wenn sie offensichtlich keine Fortsetzung findet, nicht stirbt. Dennoch würde ich der Fortsetztung auf jeden Fall treu bleiben.

  16. Dann halt auch noch mal: Dieser Serie wurde abgesetzt. Finito. Ende. Aus. Nix da Fortsetzung.

  17. [...] schon eher erlaubt als die Sendung selbst. Anders kann ich mir nicht erklären, dass mein Post zum Finale inzwischen der meist gelesene in diesem Blog ist (Start meiner Analytics-Aufzeichnungen war im [...]

  18. Vanyx sagt:

    ich kann es auch garnicht verstehen warum man die Serie jetzt absetzt… mir hat es immer gefallen ich habe alle Folgen auser eine gesehen und es war immer so spannend… es gab nichts im TV was ich so regelmäßig schaute wie FF und ich fand es auch nie langweilig… auch nicht da ,wo die meisten es so empfanden… ich finde das jetzt echt blööd das es nicht mehr weitergeht aber verliere die Hoffnung auf keinen Fall das es nicht doch noch irgendwann eine 2. Staffel geben wird !! ich hatte mich immer die ganze Woche so sehr auf den Montagabend 21.10 Uhr gefreut meine absolute Lieblingsserie zu schauen… naja das macht mich sehr traurig , wenn es wirklich nicht mehr weitergeht

  19. Oliver sagt:

    Ich habe mal rumgeforscht und einige sehr interessante Spekulationen über das Ende gefunden:
    Man sieht am Ende, als Mark sich noch aus dem Gebäude retten will, einen Helikopter vor dem Fenster. Nun, dann folgte der Blackout. Aber man sieht später, als das Gebäude schließlich explodiert, keinen abgestürzten Helikopter oder anderes dergleichen. Das heißt für mich, dass im Helikopter Leute waren, die den Alpha-Ring hatten. Wahrscheinlich haben die etwas mit den Blackouts zu tun und vielleicht haben sie sogar Mark mitgenommen (entführt?). Außerdem soll man nicht einen, sondern gleich mehrere Blackouts hintereinander gesehen haben, was Charlies rasantes Wachsen erklären würde. Ich weiß natürlich nicht, ob das alles so stimmt, aber es wäre natürlich möglich. Tja, schade, dass die Serie abgesetzt wurde, denn ich hab sie auch sehr gemocht.

  20. arti sagt:

    zum kotzen…offenes ende und kein happy end..aber leute das leben geht auch ohne flashforward weiter..also geniesst das schöne wetter..
    flashforward beste serie des jahres also was bitte ist lost..

    mfg

  21. Thorsten sagt:

    schade schade

  22. Chris sagt:

    Ich kann es auch nicht glauben :/ Wie kann ABC sowas machen? Die Serie hatte unglaublich Potential. Ich fand wirklich, dass FlashForward die beste Serie aller Zeiten ist. Selbst LOST konnte mich damals nicht so packen. Warum war ABC auch so vorschnell? Sie setzen sie Serie komplett ab bevor sie auf DVD veröffentlicht ist? Ohne eine Wiederholung um zu gucken ob die Leute nur nicht weiter geguckt haben, weil sie Folgen verpasst haben? Ich kann das nicht nachvollziehen. Denke FlashForward ist auch defintiv ein DVD Läufer. Ich würde es auch wesentlich angenehmer finden, nicht immer eine ganze Woche warten zu müssen um die nächste Folge zu sehen. Und lieber geschmeidig die DVD in den DVD Player zu schieben :D

    Ich glaube das es wirklich noch eine Chance gibt. Die Fanbewegungen auf Facebook und Co sind in vollem Gange. In Amerika erscheint Ende August die DVD der ersten Staffel (bei uns Mitte Oktober), der Serienstart in mehreren Ländern steht nächsten Monat noch an und eventuell gibt es laut Pro7 hier noch eine Wiederholung.

    Mal schauen was sich dann noch entwickelt. Ich würde mich freuen wenn ABC diesmal die Fans nicht so ignoriert.

  23. Chris sagt:

    Ahh noch was zum Ende.
    Ich gehe schwer davon aus, dass Mark Benford noch lebt. Schaut euch den Flash am Ende nochmal an. Dort sitzt ein Mann am Tisch der ein seltsames Formular unterzeichnet. Es ist eine sehr dunkle Silhoutte aber wenn ihr die Helligkeit des Bildschirms oder des Videos erhöht, seht ihr die Gesichtszüge von Mark ;) Also könnte die Theorie mit der Hellicopter-Entführung also gut möglich sein.

  24. Timo sagt:

    Ich fand die Serie recht gut. Selbstverständlich gab es an einigen Stellen fehler die von den Autoren hätte vermieden werden können, dennoch das Gesamtpaket stimmte.
    @Andi, die Theorie ist zwar schön aber die hat einen kleinen denkfehler.
    Wenn Mark wirklich aus dem Fester gesprungen ist dann tat er das vor dem Blackout.
    Was bedeutet er hatte seinen Blackout unter Wasser ;-) verstehst du was ich meine.

    @Chris das ist kein seltsames Formular, das ist ein Testament würde ich stark behaupten;-)

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