Mit Sayid in schwindelnder Höhe
Sie bekommt viel zu sehen im fernen Australien, aber auf eines muss Serienjunkies.de-Redakteurin Carolin Neumann während ihres Abenteuertrips verzichten: Serien. In ihrer Kolumne berichtet sie, wie sich der Cold Turkey anfühlt. Diese Woche: Losterities.
Es war also doch kein böses Omen, dass ich ausgerechnet an dem Tag meine Reise nach Australien antrat, als in den USA die finale Staffel “Lost” startete. Ihr wisst schon, “Lost”, die Serie über ein Flugzeug, das auf dem Weg von Australien nach Los Angeles abstürzt. Es war nicht unbedingt förderlich für meine Sorgenfreiheit, dass einer der Passagiere in der Reihe neben mir genauso aussah wie Sayid – und ich meine wirkliche Ähnlichkeit, nicht die von weißen Europäern beim Anblick arabischer Menschen gerne mal angenommene Ähnlichkeit. Aber vielleicht waren das auch nur die ersten Anzeichen des Entzugs, und tatsächlich saß auf dem Platz eine alte Dame mit all zu wilder Frisur…
Schlimmer als diese banalen Sorgen war jedoch, dass ich die mit Spannung erwartete Auftaktepisode nicht schauen konnte. Ich war unterwegs sogar kurz davor, eine der freundlichen Stewardessen zu fragen, ob sie nicht den Pilot bitten könne, irgendwie ABC auf meinem Mini-Fernseher zu zeigen. Aber ganz wie in einer Phantasie von “Scrubs”‘ J.D. lachten bei dieser Frage sämtliche Passagiere des Flugzeugs halt über mich.
Die Flugzeugkost ist für einen Serienjunkie trotz des bei Emirates äußerst reichen Angebots von Filmen und Serien jedenfalls eine Zumutung: Ganze fünf Episoden “Friends” gab es zu sehen – in Ordnung, auch die lose Reihenfolge kann ich in diesem Fall akzeptieren. Bei “Grey’s Anatomy” ist das mit den durcheinander gewürfelten Episoden schon wieder was anderes. Bei einer neuen Serie wie “Nurse Jackie”, die ich durchaus bei dieser Gelegenheit mal zu schauen angefangen hätte, ist es hingegen ganz und gar nicht akzeptabel. Fluggesellschaften sind eben wie deutsche Fernsehsender: Sie haben kein Gespür für den künstlerischen Wert einer Serie und keinen Respekt für die von den Machern erdachte Reihenfolge.
Meinen E-Mail-Filter habe ich übrigens mit Lost-Stichwörtern gefüttert, und etwaige Kommentare werde ich wohl auch erst nach meinem “Lost”-Marathon im April lesen. Und wehe dem, der mir auf welchem Weg auch immer verrät, wie es weitergegangen ist. In meiner Vorstellung leben alle Losties glücklich und zufrieden in Los Angeles!
Diese Kolumne ist zuvor bereits bei Serienjunkies.de veröffentlicht worden.
Dieses Mal bin ich dir voraus…hab schon die vierte Folge gesehen. Spannend;-)