Liebestanz mit Fehlerlesen
Neulich bin ich auf die Seite liebestaenze.de gestoßen, auf der “Liebestänze”, das neue Buch von Rainer Schmidt (“Wie lange noch?”) beworben wird. Schön gemacht, dachte ich: 300 Menschen, zumeist aus der Technoszene, lesen in 300 Clips 300 Seiten und die sollen nach und nach online gestellt werden. (Mehr dazu gibt’s auch in einem Videointerview mit dem Autor.)
Leider habe ich nach weniger als zehn Clips aufgegeben, die Geschichte – es geht um die Raverszene der Neunziger – chronologisch zu verfolgen. Dafür waren einige der Vorleser, pardon!, einfach zu schlecht. Ausgerechnet der DJ K-Paul (der Kai-Paul von Lexy und Kai-Paul, ihr wisst schon), der sicherlich im Fehlerlesen in der Grundschule nie über drei Zeilen hinausgekommen ist, war einer der ersten. Darbietungen wie seine, die teilweise schlechte Qualität der Aufnahmen und die Tatsache, dass ich vor und nach jedem Leseabschnitt immer wieder dieselbe Trailermusik hören muss, machen es mir leider unmöglich, das Buch konsequent auf der Seite zu lesen/hören/gucken. Dass dazwischen auch erfahrene Leser wie Benjamin von Stuckrad-Barre (begnadeter Autor, aber in solchen Situationen ein Unsympath unter dem Herrn) sind, ändert daran auch nichts.
Doch vielleicht war das sogar die Intention? Für diese kreative Idee, die ich in so einer Weise auch noch nirgendwo gesehen habe, ziehe ich jedenfalls meinen Hut (und damit meine ich meine neue rote Wollmütze, die in Vorbereitung auf die nahende kalte Jahreszeit schon in Sichtweite liegt) – und das Erstlingswerk von Autor Rainer Schmidt liegt dank Amazon schon so gut wie auf meinem Nachttisch.
(Erschreckend finde ich übrigens auch die Lücken im CD-Regal im Hintergrund von Tim Renners Clip (Nr. 30), aber das nur am Rande…)
[...] zu guter letzt noch ein Ausschnitt aus Rainer Schmidts “Wie lange noch”, der mir beim Lesen sehr gut gefallen [...]