Neulich in meiner WG: Ein langweiliger Abend, es ist ungefähr viertel vor acht. Und weil ich eigentlich sowieso nur doof in die Glotze starren wollte, lasse ich mich von meiner Mitbewohnerin überreden, doch mal wieder “GZSZ” zu gucken. Ja, genau:”Gute Zeiten Schlechte Zeiten”, die Mutter aller deutschen Dailysoaps und Pausenhofgesprächsstoff Tausender Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren. In diese Altersgruppe falle ich nicht mehr wirklich.

Aber egal. Was Besseres läuft nicht, und früher hat man das schließlich auch geguckt. Könnte doch ganz amüsant werden. Schnell merke ich: Hey, die Titelmelodie kenne ich sogar noch auswendig! Und wer da noch alles dabei ist: Der böse Gerner, Elisabeth, Daniel, Clemens und Leon. Die kenn ich sogar noch alle.

Alles in allem bin ich relativ schnell wieder im Geschehen. Das erwartete Amüsement tritt allerdings nicht ein. Gähn! Aber was bleibt anderes: Meine Mitbewohnerin hat schon mehr als drei Folgen in den letzten Tagen geschaut und kann nun nicht anders als weiterzugucken. Ihr die Fernbedienung zu entreißen und sie zum kalten Seifenoperentzug zu zwingen, erscheint mir reichlich übertrieben. Ich füge also mich meinem Schicksal. Und dann mache ich etwas, zu dem einen nur die Langeweile treiben kann: Ich beginne, die Serienwelt mit der Realität zu vergleichen.

Auslöser ist folgende Szene und die Tatsache, dass ich grade für eine Klausur in Medienrecht lerne: Bei “Gute Zeiten Schlechte Zeiten” gibt es natürlich auch eine Zeitungsredaktion. Dort arbeitet der besonders ambitionierte und investigative Journalist Nowack. Und wie das so ist, findet er Dinge, die den durchtriebenen Gerner in irgendeiner Weise belasten. Keine Ahnung, Was das genau ist, Gerner macht ja immer was Böses. Und weil der Herr Doktor nicht doof ist, kriegt er natürlich gleich spitz, dass Nowack etwas plant und droht ihm – mit einer Verleumdungsklage!

Ja, da bin ich doch gleich wieder hellwach. Gerner ist lange genug im Bösewichtgeschäft, um zu wissen, mit welchen rechtlichen Mitteln er seinen Kontrahenten drohen muss. Die Drehbuchschreiber von “GZSZ” hingegen hätten einen tieferen Blick in die Gesetzesbücher werfen sollen. Verleumdung ist es dann, wenn jemand bewusst etwas Falsches verbreitet. Aber der investigative Journalist ist doch der festen Überzeugung, es stimmt, was er da in langer Recherche herausgefunden hat.

Also: Üble Nachrede. So ist das nämlich. Meine Mitbewohnerin sieht mich nach meinem Plädoyer etwas schief von der Seite an: “Ist doch nur ‘ne Serie.” Mir doch egal. Zumindest hab ich aufgepasst.

Autorin:

Anmerkung von Caro: Ich war mir ziemlich sicher, dass der Journalist Schäfer und nicht Nowak heißt, und wollte mich schon schämen gehen. Doch es sieht so aus, als hätten Kathrin und ich beide keine Ahnung – Gott sei Dank! Der Name des Journalisten ist Cöster, hat uns das Internet verraten.