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Grenzwertige Satire: Deutsche Blogs gesperrt

21. Feb

Da kam mir doch kurz der Nachmittagskaffee wieder hoch… Gerade habe ich die Tweets des Tages durchstöbert und bin gleich mehrfach daraus hingewiesen worden, unser Bundesinnenministerium habe einige deutsche Blogs gesperrt. Verbreitet hat diese – wenn auch nicht mehr unvorstellbare, aber meiner Meinung nach dennoch gänzlich unlustige – Meldung der Blogger Pantoffelpunk.

Dort ist seit letzter Nacht zu lesen, das Bundesinnenministerium habe deutsche Blogs gesperrt, eine Liste gibt’s auch. Gleich habe ich einen der Links angeklickt, da ich das Blog “annalist” selbst ab und an lese. Prompt wurde ich auf diese Seite weitergeleitet:

Geben Sie es zu: Hätten Sie nicht gewusst, dass dies ein Fake ist, Sie hätten auch geschluckt – auf den ersten Blick sieht die Seite ziemlich echt aus. Allerdings reicht schon der zweite Blick, um den Unsinn zu entlarven, zum Beispiel dadurch:

@puh war übrigens so mutig und hat auf der Seite mal den Bundestrojaner heruntergeladen. Leider war die Datei fehlerhaft… (Der Trick funktioniert übrigens mit jeder beliebigen Internetseite. Meine ist auch “gesperrt”.)

Aber mal Spaß beiseite. Ich war fast eine halbe Minute in Schockstarre und den Kommentaren unter besagtem Pantoffelpunkt-Eintrag nach zu urteilen, ging es vielen da draußen auch für ein paar Sekunden so. Viel erschreckender finde ich allerdings, dass einige doch etwas länger gebraucht haben, um zu verstehen, dass alles nur gut gemachter, aber grenzwertiger Gag war. Sie haben es sogar in aller Ernsthaftigkeit verbreitet. Beweisstück A, Beweisstück B, Beweisstück C, Beweisstück D wurde von @kosmar bereits gelöscht.

Abschließend noch ein Hinweis: Gelöschte Tweets sind bei Twingly.com nach wie vor zu finden.

9 Antworten zu
»Grenzwertige Satire: Deutsche Blogs gesperrt«

  1. dauni sagt:

    Ich habe es nicht in aller Ernsthaftigkeit verbreitet. Wenn es ihnen schwer, Dinge als Witz, wie immer auch gelagert, zu erkennen, ist das ihr Problem. Für so dumm, wie sie Blogger halten, sind die wenigsten. Aber leider ist es schon in Deutschland, so das ohne den Zusatz: Achtung!Gag. nichts mehr geht.

  2. Also ich fand den Witz genial gemacht. Wenn die Politik solche Vorlagen liefert, dann muss sie auch mit solchen Verarschungen leben. :)

  3. Ich find’s ja auch gut gemacht und bin definitiv der Meinung, dass die Politik sich jeden Seitenhieb dieser Art verdient hat.

    Dennoch – und lediglich das wollte ich mit meinem Eintrag zum Ausdruck bringen – schienen mir einige die Satire nicht auf Anhieb verstanden zu haben. Ich halte Blogger keinesfalls für dumm, @dauni! Allerdings fürchte ich, dass es Leute gibt, die Tweets wie Ihren “Dringende Kurzmitteilung. IM sperrt erste Blogseiten.” nur oberflächlich wahrnehmen (ja immer eine Gefahr bei Twitter), nicht weiter verfolgen und entsprechend den Gag dahinter auch nicht verstehen können. Gott weiß, ich musste ja selbst zwei Mal hinschauen, und hätte ich weniger Zeit gehabt, wer weiß… ;-)

  4. dauni sagt:

    Es wäre geradezu rührend, wenn sich die Medien, die jeden Tag Schlagzeilen in die Welt blasen, vielfach ohne den Wahrheitsgehalt zu prüfen, auch solche Gedanken machten. Wie man sieht, funktioniert dieses Schneeballsystem nur zu gut. Betrachten wir es doch als Test, inwieweit Leute dazu fähig sind, ihren eigenen Verstand einzusetzen. Leider ist ein Großteil der Leute nur allzu gern bereit, alles und jedem zu glauben, ohne Gehörtes/Gelesenes zu hinterfragen. Auf der anderen Seite zeigt dieses Beispiel doch nur zu gut, was die Leuten unserem IM alles zutrauen.

    Wie auch immer: ich wünsche einen schönen Restsonntag und eine erfolgreiche neue Woche

  5. Gerade weil die Leute Dingen so schnell Glauben schenken, finde ich es in der Zeit aggregierter Kurznachrichten (wie z.B. bei Twitter) wichtig, sie in die richtige Richtung zu leiten. Aber vielleicht sind das auch nur meine jugendlichen, in der journalistischen Ausbildung erworbenen Ideale. Ich bin sicher, die werden mir noch früh genug ausgetrieben. Schönen Sonntag noch!

  6. Mirko sagt:

    “Wenn es ihnen schwer, Dinge als Witz, wie immer auch gelagert, zu erkennen, ist das ihr Problem.” (dauni)

    Nein, das ist nicht Frau Neumanns Problem, das ist immer das Problem des Senders. Die (überwiegend) nonverbale Kommunikation des Webs macht eine eindeutige Zuordnung von Aussagen in die Kategorie “Ironie” so gut wie unmöglich, wenn nicht eindeutig darauf hingewiesen wird. Das hat nichts mit Dummheit zu tun, sondern mit der Art der Botschaft und des Kanals.
    Darüber hinaus finde ich es ermüdend, in jeder Aussage erst den Witz suchen zu müssen, bevor ich festellen kann, ob ich mich auf die Ernsthaftigkeit meiner Gesprächpartner zählen kann.
    Daher: Ja, bitte ein “Achtung!Gag” – es vereinfacht die Kommunikation entschieden.

  7. bulldrinker sagt:

    Im Moment ist es nur ein Scherz, vielleicht wird es bald Wirklichkeit…

  8. Entschuldigung, wenn ich mich hier kurz einmishen darf und ich entschuldige mich auch gelcih vorweg für eventuelle Entgleisungen meinerseits.

    Was bitte schön hat so eine Seite denn für ein aufrüttelndes Moment, wenn ich vorher schreibe: Vorsicht, Witz! So einen Unsinn habe ich ja noch nie gelesen. Nein, stimmt nicht, viele Humorlose Klugscheißer fordern das leider immer wieder.

    Aber gerade die Tatsache, dass viele – auch aufgeklärte und informierte – User die Sperrung für eine oder zwei Sekunden für bare Münze genommen haben, macht die Sache unheimlich spannend. Wie ist denn bitte schön mit dem Vertrauen in unsere Regierung bestellt, wenn so eine Meldung wie die, dass das Nachrichtenmagazin telepolis gesperrt ist, zunächst geglaubt wird? gerade diese Reaktion zeigt, wie notwenidig es ist, Leute wachzurütteln.

    Und btw: Es ist nicht die Frage, was Satire darf, es ist die Frage wer wer Satire darf (Titanic) und ich darf das.

  9. Mirko sagt:

    Ich finde das natürlich auch spannend, wenn Satire subtil daherkommt. Aber es ist nicht mein Problem (bzgl. Kommentar von dauni. Wenn jemand meint, sich ironisch ausdrücken zu müssen, muss er oder sie damit rechnen, missverstanden zu werden. Unter Umständen gewaltig. Und das ist genauso wenig humorlos wie dumm – es ist die in Kauf genommene Verständnisbarriere.

    Da es aber so viele verschiedene Verständnisse von Humor, Ironie, Satire, ja selbst von Sachthemen gibt, sind Fehlinterpretationen und Missverständnisse vorprogrammiert. Ich nehme das unter Umständen auch gerne in Kauf – denn auch so lässt sich – quasi ganz nebenbei – überprüfen, ob es eine gemeinsame Wellenlänge gibt.

    Im übrigen: Im Fall der Fake-Spererung gab es die gemeinsame Wellenlänge mit Sicherheit bei mehr Leute, als Sie sich vielleicht vorstellen.
    Dass aber jeder Nicht-Versteher gleich als Dumm abgestempelt und problembehaftet dargestellt wird und im Umkehrschluss sich jeder von seiner vermeintlichen eigenen Fehlinterpretation distanziert, halte ich für keine zuträgliche Haltung in Bezug auf eine erfolgreiche Kommunikation.

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