Das ARD-Magazin „Polylux“ ist einem fingierten Interviewpartner auf den Leim gegangen. In der Sendung gestern Abend ging es um die Droge Speed, die jetzt angeblich immer häufiger konsumiert wird und das – weil sie günstiger ist – von ganz anderen Schichten als ihre kostspieligen Verwandten. Studenten, jungen Menschen.

Da sitzt also ein übergewichtiger junger Mann an seinem Laptop, daneben ein Teller mit Apfelstücken. „Tim“ macht Diät, heißt es, und sein Wundermittel dabei ist die Droge Speed. Noch am gleichen Tag hat eine Gruppe, die sich „Kommando Tito von Hardenberg“ nennt, eine Pressemitteilung zum Thema herausgegeben. Dort heißt es: „Wir haben die plumpe Internetrecherche von „Polylux“ zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten ‚Tim‘ zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen. Erschreckend, wie einfach es ist, selbst gewählte Inhalte in Massenmedien zu platzieren und so gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen.“ „Polylux“ sei zwar Ziel der Aktion gewesen, stehe aber stellvertretend für weite Teile der Medienlandschaft, die keine ausreichende Recherche betreiben.

Glückwunsch. Von privaten Sendern erwartet man ja nichts anderes, aber an die Öffentlich-Rechtlichen werden zurecht ganz andere Ansprüche gestellt. Doch auch hier scheint Recherche manchmal Mangelware zu sein. Schade. Da bröckelt der Putz. Trotzdem: Bitte jetzt nicht gleich wieder große Diskussionen über Sinn und Unsinn eines öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems anfangen. Wir brauchen die ARD. Punkt.